Weil es nur wenige hochgradig MCS-Betroffene gibt, hat das Schweizer IV-System bis heute kein herausragendes Interesse, sich mit dieser Erkrankung im Detail auseinanderzusetzen:

– es gibt z.B. keine medizinisch sachkundigen Personen betr. MCS bei der IV selbst
– es finden keine externen fachmedizinisch seriösen Abklärungen statt
– weil eine korrekte Diagnose automatisch Folgekosten nach sich ziehen könnte (MCS-gerechter Wohnraum), werden systemtreue Gefälligkeitsgutachter aufgeboten, welche MCS in eine
„somatoforme Störung“ umzudeuten haben.

Hier kommt dann das Sprichwort „Lügen haben kurze Beine“ zum Zug. Denn unrichtige medizinische Diagnosen bringen automatisch Probleme, Ungereimtheiten und Widersprüche mit sich:

1. Wie lässt sich eine somatoforme Störung überhaupt beweisen?
2. Sind die medizinischen Symptome zwischen einer „somatoformen Störung“ und MCS deckungsgleich? Nein.
3. MCS zeichnet sich speziell durch eine Überempfindlichkeit auf Parfüms und chemische Schadstoffe aus. Ist dies typisch für eine somatoforme Störung? Nein.
4. Bei MCS sind Auslöser wie Parfüm, Rauch, ätherische Öle, Formaldehyd etc. charakteristische (reproduzierbare) Trigger für Juckreiz, Schwitzen, Nervosität, Kopfweh, Aggressivität, Erschöpfungszustände usw. Hat man je gehört, dass Patienten mit somatoformer Störung ein Verbot von Parfüm fordern oder sich für den Verzicht chemischer Schadstoffprodukte stark machen? Nein.
5. Gehört MCS in den Bereich „psychische Erkrankungen“ wie eine „somatoforme Störung“? Nein. Sie wird bei der WHO unter der Bezeichnung ICD-10 T 78.4 als organische Erkrankung bzw. Allergie definiert.
6. Gibt es bei einer somatoformen Störung z.B. einen erhöhten Anteil von IgE-Antikörpern? Nein. Dies ist typisch für das Vorhandensein einer Allergie.
7. Sind für eine somatoforme Störung unzählige durch Laboruntersuchungen ausgewiesene Nahrungsmittelallergien/-unverträglichkeiten charakteristisch? Nein. Aber für MCS.
8. Steht bei einer somatoformen Störung typischerweise eine Überreaktion des Immunsystems im Vordergrund? Nein. Aber bei MCS.
9. Ist eine Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Medikamenten z.B. Erkältungsmittel (Panadol etc.) typisch für eine somatoforme Störung? Nein. Aber eine Medikamentenunverträglichkeit kommt bei MCS oft vor.
10. Verlangen Menschen mit einer somatoformen Störung MCS-gerechten Wohnraum und Expositionsstopp? Nein. Karenz, d.h. die Vermeidung von Auslösern ist eine typische, vernünftige und logische Reaktion von Allergikern resp. MCS-Betroffenen.
11. Sind Personen mit einer somatoformen Störung auf einen separate Waschmaschine zum ausschliesslich duftstofffrei waschen angewiesen? Wenn sie nicht an MCS leiden: Nein.
12. Sind Menschen mit einer somatoformen Störung auf eine ausschliesslich duftstofffreie Haushaltführung (duftstofffreie Putz- und Reinigungsmittel, Abwaschmittel usw.) angewiesen? Wenn sie nicht an MCS leiden: Nein.
13. Sind Leute mit einer somatoformen Störung auf eine 100% duftstofffreie Körperpflege angewiesen? Wenn sie nicht an MCS leiden: Nein.

Wir sehen: Bei einer somatoformen Störung und MCS muss es sich offenbar um zwei verschiedene Krankheiten handeln.

IV und MCS (1) – der „MEDAS-Schwindel“
IV und MCS (3) – Unterschied zwischen MCS und Neurodermitis